„Lass den Sport doch einfach!“

2019 war bisher verletzungs- bzw. gesundheitstechnisch nicht wirklich mein Jahr. Während es an der Uni und in der Arbeit wirklich gut läuft, findet mein Körper immer wieder eine Gelegenheit mir das Leben zu „versüßen“.

3 mal Shoulder Impingement und Verkalkung sowie eine Sehnenentzündung, Kapraltunnelsyndrom rechts (das inzwischen auch den Ellbogen gerne miteinbeziehen – „wenn schon, denn schon“), 3 mal Interkostalneuralgie, ständig Wirbelblockaden und dann wäre da noch mein Talent für Schnittwunden, die mir gerne am Wochenende die Notaufnahme bescheren.

Standard im Gesundheitssystem: „nehmen Sie mal ne Woche Ibuprofen oder Diclofenac und machen Sie keinen Sport“. Spätestens, wenn man erwähnt, dass man Crossfit und Gewichtheben macht, wird man direkt als Übertraining oder falsches Training abgeschrieben. Auch wenn das Problem nicht durch den Sport verursacht wurde – man kann es ja trotzdem mal darauf schieben. Warum? Vielleicht weil es den Ärzten an Verständnis für Sport fehlt. Vielleicht weil es sich gerade anbietet.

Also einfach mal ein Pflaster darauf kleben, anstatt zu hinterfragen, was die Ursache sein könnte.

Wenn es dann nicht besser wird, folgt der Arzttourismus. Und wie oft hab ich da zu hören bekommen „Hm, ja wahrscheinlich liegt das am Sport.“ Oder „Sie sind einfach zu schmal gebaut.“ AHA.

Mag jetzt vielleicht auch ein bisschen übertrieben dargestellt sein, aber genau so fühlt es sich an, wenn man in der Situation ist. Verloren und man weiß nicht, wo man jetzt konkret hin soll mit dem Problem, das, ja, zugegebenermaßen, nicht lebensbedrohlich oder tödlich ist.

Allerdings WENN…

… einem die Hand beim Zähneputzen einschläft (Karpaltunnelsyndrom)
… man die Schulter nicht mehr Überkopf bewegen kann, um etwas aus dem Schrank zu holen (Shoulder Impingement)
… man keine Chance hat, für die Abschlussarbeit einen Nachmittag zu tippen, weil auf Dauerkribbeln Taubheit in der Hand folgt (Karpaltunnelsyndrom)
… man sich morgens nicht mehr im Bett aufsetzen kann, weil die Brustwirbelsäule und dir Rippen so schmerzen, dass Bewegung undenkbar ist und die Atmung schwer fällt (Interkostalneuralgie)

… man einfach so Dinge fallen lässt (3 Kaffeetassen und einmal beinahe eine Schüssel auf den Kopf, als ich sie aus dem Schrank holen wollte), weil die Hand plötzlich „weg“ ist (Karpaltunnelsyndrom)

DANN schränkt das den Alltag und die Lebensqualität ein und belastet auf Dauer sehr.

Glücklicherweise habe ich zum einen eine wahnsinnig tolle Physiotherapeutin, die es immer wieder geschafft hat, mich wieder „funktionstüchtig“ zu machen (für alle Münchner: Crossfit Bewegt Physio ist mega!) und zum anderen auch einen Arzt gefunden, der eher eine ganzheitliche Sicht hat und sowohl Verständnis von Sport und Bewegung als auch von Medizin und Rehabilitation abseits von Schmerzmitteln oder kurzfristigen Lösungen hat (schaut euch mal nach einem Facharzt für Sportorthopädie und Physikalische Medizin und Rehabilitation um).

Was ich in den letzten 7 Monaten (ja, so lange geht das schon) gelernt und getan habe:

  1. ich habe begriffen, dass man aufhören soll, bevor der Wagen ganz kaputt ist
  2. Physik und Reha sind wichtig und waren für mich die „beste Therapie“ – allerdings muss man auch selbst viel investieren: zusätzlich Physio und Osteopathie selbst bezahlt, selbst die Übungen machen, außerdem mache ich 3 mal die Woche Mobility und viel Accessory Work, TENS Einheiten mit meinem Compex sind auch täglich dabei und gelegentlich gibts noch einen Akupunkturtermin, Kinesio Tape und Flossingband sind Bestandteil meiner Trainingstasche
  3. Ernährung spielt eine wichtige Rolle, was Regeneration und Erholung angeht (und man kann auch mit Supplementen nachhelfen)

Ja, das ist mehr als nur einmal die Woche 20 Minuten beim Physiotherapeuten reinzuschauen. Und es erfordert Disziplin und Geduld. Und manchmal hat man auch Tage, wo man das Theraband nicht mehr sehen kann. Und manchmal war der Tag lang und stressig und man hat absolut keine Lust mehr, 40 Minuten in Reha und Mobility zu investieren.

Ich arbeite konstant daran und kämpfe gerade aktuell wieder mit meiner Schulter. Aber ich weiß, wo ich ansetzen muss und wer bereit ist, zu investieren und zu geben, der bekommt auch zurück. Der Körper ist nunmal leider keine Maschine. Und ich bin immer noch bzw. immer wieder davon entfernt, dass „alles okay ist“.

Aber:  „Aufgeben ist keine Option und wo ein Wille, da ein Weg!“

Ich sage immer, dass man die Zeit, die man für Jammern und Beschwerden findet, auch dafür nutzen kann, das Problem anzugehen. Ich bekomme oft zu hören, dass jemand „schon seit einem Jahr Schulterprobleme hat, die einfach nicht weggehen.“ – nur um ein Beispiel zu nennen. Aber ganz ehrlich: wie viel Zeit und Ressourcen hat diese Person aufgewendet? Wie bereit ist diese Person, Dinge für die Gesundheit aufzuopfern? Mir hat mal jemand gesagt, dass die Schmerzen nicht so schlimm sein können, wenn man nicht alles versucht, um diese loszuwerden… und aus eigener Erfahrung, kann ich da nur sagen: ignorieren funktioniert anfangs gut. Je nach Leidenstoleranz dann auch länger – allerdings: je länger man es hinausschiebt, desto länger dauert der gesamte Prozess auch.

Was ich euch schlussendlich mitgeben möchte ist:

> geht zu verschiedenen Ärzten und hört euch unterschiedliche Meinungen an

> sucht Ursachen und bekämpft nicht nur akute Symptome

> sucht euch einen guten Physiotherapeuten und werft auch eine Blick auf Osteopathie, Akupunktur und sonstige Alternativen

> Trainingspause lieber zu früh als zu spät (Pause, Abklärung, Ursachenfindung bevor man weitermacht) und trainiert dann um die Verletzung und nicht gegen sie (Zusammenarbeit mit Therapeut und Coach ist da wichtig), denkt positiv und bleibt dran

> Sport, Krafttraining, Trainingstherapie… tut dem Körper gut – die Frage ist nicht, ob Sport, sondern was für einer, wie viel und wie ausgeführt!

Ja, es kostet – Geld und Zeit. Aber ich glaube, dass Investitionen in sich selbst immer noch am besten angelegt sind.

Wenn euch interessiert, was ich für Mobilityübungen mache oder wie ich versuche mit Supplementen, ganzheitlicher Medizin und verschiedenen kleinen Hacks das Karpaltunnelsyndrom in Schach zu halten, oder was ich bei akuter Interkostalneuralgie oder Schulterproblemen mache, dann lasst es mich wissen und ich kann da gerne noch Beiträge schreiben!

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